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Wieso? Weshalb? Für wen?

Warum sollten Sie FreD anbieten?
Kommt für unsere Einrichtungen FreD überhaupt in Frage?
Wer ist die Zielgruppe für FreD-Kurse?
Wer sind die regionalen Kooperationspartner bei diesem Programm?
Wie läuft eigentlich so ein FreD-Kurs ab?

Einige FreD-Kursteilnehmer*innen heben gemeinsam mit den Zeigefingern einen Hula-Hoop-Reifen auf.

Fragen über Fragen?!

Hier möchten wir Ihnen die Antworten geben:

Das FreD-Konzept

folgt einem sehr einfachen Prinzip: Nicht wegschauen, sondern handeln!

Irgendjemandem fallen junge Menschen garantiert irgendwann auf, wenn sie übermäßig Alkohol trinken oder illegale Drogen konsumieren. Dann muss eingeschritten werden! Der Zeitpunkt des richtigen und frühzeitigen Eingreifens darf nicht verpasst werden. Denn die Folge könnte sein, dass der betreffende junge Mensch in ein noch größeres Suchtproblem abgleitet.

Es muss nicht immer die Polizei sein: Wichtig ist, dass bei jugendlichem Rauschmittel-Missbrauch nicht weggeschaut wird.

Fallen junge Menschen wegen Drogen- oder Alkoholkonsums auf - bei der Polizei, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Verein -, dann folgt eine "gesundheitsbezogene Intervention". Das ist der FreD-Kurs, geleitet von erfahrenen FreD-Trainer:innen.

Die Teilnahme am Interventionskurs ist keine Strafe. Die Jugendlichen erhalten damit die Chance, frühzeitig über ihren Drogenkonsum und ihren Weg dorthin nachzudenken. Eine Chance, um Schlimmerem vorzubeugen.

Ein einfaches Prinzip, das sehr erfolgreich ist!

Die Ausgangssituation

FreD ist seit seinen Anfängen im Jahr 2000 ein Programm der selektiven Prävention, das speziell auf jugendlichen Alkohol- und Drogenmissbrauch zugeschnitten ist. Der Bedarf dafür ist seit dem Ende der 1990er Jahre immer deutlicher geworden.

Immer mehr Jugendliche konsumierten illegale Drogen, insbesondere Cannabis wurde damals festgestellt. Schlimmer noch: Den jungen Menschen fehlte das Problembewusstsein. Für diese Gruppe gab es keine evaluierten Präventionskonzepte.

Ziel des Bundesmodellprojektes FreD war deshalb die Entwicklung eines kurzen, frühzeitig eingreifenden, gesundheitsbewussten Anbebotes für die jungen Menschen, die erstmals bei Polizei und Justiz wegen ihres Konsums illegaler Drogen aufgefallen sind. Insbesondere sollte die Gruppe Jugendlicher und Heranwachsender erreicht werden, deren Verfahren wegen Verstoßes nach § 31a) Betäubungsmittelgesetz (vorraussichtlich) eingestellt würde. Angeboten wurde und wird - nach einem "Intake-Gespräch" - ein achtstündiger Gruppen-Kurs zur Reflexion des eigenen Substanzkonsums. Gefördert wurde FreD vom damaligen Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung (BMGS).

Nach 20 Jahren aktueller denn je

20 Jahre nach dem Beginn ist FreD aktueller denn je. Verhaltens- und verhältnisbezogene Präventionsmaßnahmen waren erfolgreich; denn in diesem Zeitraum ist die Zahl der Jugendlichen zurückgegangen, die Rauschmittel konsumieren. Aber die derjenigen, die intensiv kiffen oder Alkohol trinken, wird offensichtlich nicht kleiner.

Gerade der Mischkonsum nimmt immer mehr zu. So konsumieren 47 % der regelmäßig kiffenden Jugendlichen auch regelmäßig Alkohol, fanden die Forscher der HBSC-Studie 2010 heraus. Insgesamt trinken nur 19,9 % der Jugendlichen dieses Alter regelmäßig Wein, Bier oder Schnaps.

Zahlen der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) aus dem Jahr 2008 zeigen: 28,3 % der 12- bis 25-Jährigen haben mindestens ein Mal im Leben gekifft. Das sind weniger als vier Jahre zuvor. Aber: Bei 3,7 % aus dieser Gruppe liegt der bislang letzte Konsum erst maximal einen Monat zurück.

Noch kritischer ist die Situation beim Alkohol. Wenn die DAK für die Zehn- bis 18-Jährigen ermittelt, dass 43 % von ihnen mindestens ein Mal pro Monat fünf oder mehr Gläser Alkohol hintereinander trinken, dann heißt das auch: Bei den 15-Jährigen ist bereits jeder zweite geübter Rauschtrinker.

Gerade die Gruppe der Zwölf- bis 15-Jährigen trotzt dem eigentlich rückläufigen Trend beim Alkoholkonsum, ermittelte auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA, 2011).

Deshalb wurde mit dem europäischen Projekt FreD goes net die Zielgruppe der Kurzinterventionskurse erweitert: Es sollen auch Jugendliche mit problematischem Alkoholkonsum angesprochen werden. Neben Polizei und Justiz sind auch Schule, Arbeitsplatz und Jugendhilfe als weitere Settings hinzugekommen.

Jugendliche werden zu Verhaltensänderungen motiviert

FreD richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene. Und es richtet sich an die relevanten institutionellen Akteure vor Ort.

FreD ist ein Ansatz der Kurz- und Frühintervention. Gedacht ist er für junge Menschen, die möglicherweise am Beginn einer manifesten Suchtproblematik stehen. In dem Moment, in dem sie das erste Mal wegen ihres Substanzkonsums auffallen, bietet FreD eine Reflexionsmöglichkeit.

Trotz der in manchen Settings erfolgenden zwangsweisen Vermittlung in die FreD-Kurse versteht sich das Konzept nicht als Strafe. Vielmehr ist es gedacht als Hilfsangebot zur Selbsthilfe für riskant konsumierende Jugendliche.

Selbst wenn die Vermittlung mit einer Auflage verbunden wird, ist das Ziel von FreD nicht die Sanktionierung des Drogen- oder Alkoholkonsums, sondern die Motivierung zur Änderung des Konsumverhaltens. Das betrifft in der Regel den Fall, dass riskant Cannabis konsumierende Jugendliche von der Staatsanwaltschaft die Auflage erhalten haben, einen FreD-Kurs zu besuchen.

Teilnehmende Jugendliche haben zwei Vorteile durch FreD: Sie erhalten die Möglichkeit, ihren Rauschmittelkonsum zu reflektieren und zu reduzieren. Und sie vermeiden möglicherweise schlimmere Folgen ihres riskanten Konsums. Strafen wegen des Besitzes illegaler Drogen, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, nachlassende Leistungen in der Schule und manches andere können durch die Teilnahme an einem FreD-Kurs vielleicht vermieden werden.

Institutionen vor Ort greifen dann ein, wenn es sinnvoll ist

Suchtfachleute vor Ort beobachten mit Sorge, dass junge Menschen teilweise exzessiv mit Rauschmitteln umgehen. Gerade zunehmender Mischkonsum wird immer mehr zum Problem. Diese Situation hat massive Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft - natürlich aber auch auf die jungen Menschen selbst.

In den von der LWL-Koordinationsstelle Sucht entwickelten und erprobten Projekten FreD und FreD goes net wurden Instrumente entwickelt, um über Polizei und Justiz, den Arbeitsplatz, Schule und Familie Zugang zu problematisch konsumierenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu erhalten.

Hier liegt der Vorteil von FreD: Erste Interventionen setzen dann an, wenn es sinnvoll ist. Junge Menschen werden erreicht, bevor "das Kind in den Brunnen gefallen ist."

Eine weitere Chance von FreD, gerade für Kommunen: Vor Ort entstehen neue und effektive Kooperationsstrukturen zwischen den verschiedenen relevanten Akteuren. Damit verbunden ist eine nachhaltige Verbesserung der Suchthilfe- und Präventionsqualität. Gelingende Kooperationsstrukturen sind andererseits eine Voraussetzung für den Erfolg eines FreD-Projektes.

FreD richtet sich an

Konsument:innen illegaler oder legaler Drogen, die noch keine manifeste Abhängigkeit entwickelt haben. Nicht geeignet ist FreD für Heroin-Konsument:innen und für Jugendliche ohne Konsumerfahrung.

FreD ist die richtige Maßnahme für

  • Junge Menschen von 14 bis 21 Jahren, in Einzelfällen bis 25 Jahre,
  • die mit illegalen Drogen oder Alkohol zu tun haben
  • und deswegen anderen aufgefallen sind.

Die "Anderen" können sein

  • Polizei/Justiz
  • Arbeitsplatz
  • Schule
  • andere Settings


Das Ziel aller FreD-Maßnahmen: Junge Menschen sollen in den FreD-Kurs kommen und ihren Rauschmittelkonsum reflektieren.

Miteinander erfolgreich!

FreD wird in einem Ort oder einer Region von einer Präventionsfachstelle, einem Jugendamt, einer Beratungsstelle oder einer ähnlichen Einrichtung durchgeführt. Diese Stelle benötigt auf jeden Fall Kooperationspartner. Nur so können die Interventionen erfolgreich sein.

Als Kooperationsparter bieten sich die Institutionen an, denen die Jugendlichen wegen ihres Alkohol- oder Drogenkonsums auffallen.

Das können z.B. sein:

  • Polizei/Justiz
  • Schule
  • Betrieb
  • Familie
  • Jugendhilfe

Der FreD-Anbieter ist darauf angewiesen, dass die Kooperationspartner Jugendliche von FreD überzeugen und diese dann in die Kurse vermitteln. Der Abbau von Skepsis und der Aufbau von Vertrauen in die FreD-Intervention ist deshalb eine der vordringlichsten Aufgaben.

Weiterführende Informationsbroschüre "Miteinander erfolgreich"

Ablauf einer FreD-Intervention

FreD-Interventionsmaßnahmen folgen einem bestimmten Ablauf:

  • Anlass

Ein Jugendlicher ist damit aufgefallen in unangemessener Form, Alkohol oder illegale Drogen konsumiert zu haben. Die Einrichtung, der der Jugendliche aufgefallen ist, stellt den Kontakt zur örtlichen FreD-Organisation her.

  • Kontaktaufnahme

Der Jugendliche nimmt von sich aus oder auf Weisung Kontakt mit der FreD-Kursleitung auf.

  • Intake-Gespräch

In einem Einzelgespräch zwischen Kursleitung und Jugendlichem geht es darum, dessen Situation zu ergründen sowie Hemmungen ab- und Vertrauen in die Maßnahme aufzubauen.

  • FreD-Kurs

Gemeinsam mit fünf- bis zehn weiteren auffällig Gewordenen nimmt der Jugendliche dann am Konsum-Reflexionskurs teil. Dieser dauert acht Stunden und verteilt sich auf zwei bis vier Abende. Bis zu zwei Kursleiter:innen begleiten den Kurs.

  • Bescheinigung

Nach dem Kurs erhält der Jugendliche eine Teilnahmebescheinigung. Ob diese an die Einrichtung, die den Kontakt zu FreD hergestellt hat, weitergereicht wird, wird fallweise entschieden.