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Suchtprävention für und mit Menschen mit Fluchthintergrund in NRW

Am 1. September 2019 startete das vom MAGS NRW geförderte Projekt "Suchtprävention für und mit Menschen mit Fluchthintergrund in NRW". Ein Ziel ist es, eine enge Verzahnung der Sucht- und Geflüchtetenhilfe an fünf FreD-Standorten in NRW herzustellen.

FreD als Leitidee

FreD steht für Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten. Die LWL-Koordinationsstelle Sucht in Münster hat diesen Interventionsansatz bereits Anfang 2000 entwickelt, erprobt und stetig weiterentwickelt.
Mittlerweile ist er sowohl national als auch international verbreitet und mehrfache Evaluationen bestätigen den Erfolg des Programms. FreD stellt ein wirksames Instrument dar, auf Heranwachsende und junge Erwachsene präventiv und pädagogisch einzuwirken. Der Zeitpunkt des richtigen und frühzeitigen Eingreifens ist dabei ausschlaggebend, um die Entstehung größerer Suchtprobleme zu vermeiden. FreD basiert auf drei Säulen: Netzwerkarbeit, der Gruppenintervention (FreD-Kurs), sowie der Funktion als „Türöffner“ zum Hilfesystem und ggf. der Weitervermittlung der Kursteilnehmenden. Für die effektive Weiterentwicklung des Programms speziell
für die Zielgruppe geflüchteter Menschen ist daher eine gelungene Verknüpfung von Flucht- und Suchthilfe ausschlaggebend.


Ausgangslage

Der Begriff „Fluchthintergrund“ bezieht sich im Kontext dieses Projektes auf alle schutzsuchenden Menschen, deren Sicherheit wegen Krieg, Diskriminierung, Gewalt oder Verfolgung in ihrem Herkunftsland bedroht ist, oder die aufgrund der dortigen klimatischen oder wirtschaftlichen Bedingungen ihrer Lebensgrundlage beraubt wurden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verzeichnete 2019 (im Zeitraum Januar bis Oktober) bislang 122.225 Asylerstanträge. Rund 24% dieser Anträge entfallen auf Nordrhein-Westfalen (vgl. Aktuelle Zahlen, BAMF, 2019). Krieg, Diskriminierung, Gewalt und Verfolgung sowie wirtschaftliche und soziale Perspektivlosigkeit führen dazu, dass sich Menschen auf eine oft lebensbedrohliche Flucht begeben.

Die Erfahrung zeigt, dass die besonders belastende Lebenssituation dieser Menschen auch eine Suchterkrankung fördern kann: „der Konsum von legalen wie illegalen Drogen unter geflüchteten Menschen ist einerseits Ausdruck des übergroßen Angebotes, der gesellschaftlichen ‚Akzeptanz‘ (insbesondere von Alkohol und Tabak), andererseits oft eine Form der Selbstmedikation: Coping von psychischen Belastungen“ (Geflüchtete Menschen und Drogen-/Abhängigkeitsproblematik, Bundesministerium für Gesundheit, 2018). Sowohl das Hilfesystem, als auch die Betroffenen sehen sich hier mit speziellen Hindernissen konfrontiert; „Es gibt oftmals keine strukturierten Zugänge zu ersten Hilfsmaßnahmen. Ein besonders großes Problem sind die vielen verschiedenen Sprachen und die fehlenden Übersetzer, sodass die Betroffenen kaum unterstützt werden können. Die Suchthilfe ist für die Flüchtlinge daher nur sehr schwer zu erreichen und kann ihnen nur wenig helfen“ (ebd.).